Int. Mondsee 5 Seen Radmarathon - Der Radklassiker im Salzkammergut  


Ins Murtal, von Mondsee über die Alpen 480 (+20) km, 2260 Hm, 4 + 1 Tage
27.07.2014
Kategorie: Radsport
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Entgegen meiner bisherigen Vorbehalte, machte ich diese Radtour mit meinem neuen E-Bike, KTM MACINA Cross Plus 10-400 (ca. 21,5 kg).

Mit meinem normalen Treckingrad wäre ich nie über die Tauern (Obertauern) gefahren. Mein Ziel war es, die Kapazität und die für mich mögliche Reichweite zu ergründen, den Motor möglichst wenig zu nutzen und nebenbei meine fast süchtige Freude am Radfahren in schönen Landschaften zu genießen. Vermutlich fuhr ich mindestens ca. 80% der gesamten Strecke ohne Motor.

Üblicher Weise habe ich auf meinen Radtouren mindestens 15 kg Gepäck dabei, dieses Mal voll ausreichend nur <11 kg. Also hatte ich kaum mehr Gesamtgewicht zu transportieren, als mit meinem normalen Treckingrad. Z. B. fuhr ich an 2 Tagen im hügligen Gelände ohne Probleme 228 km mit einer Akkuladung und immer noch > 20 % Rest Akkuladung.

Der Murtalradweg war in hervorragendem Zustand, bestens markiert, aber bis Graz durchaus konditionell sehr anspruchsvoll, sofern nicht gebummelt werden sollte. Verpflegungsmöglich-keiten gibt es genügende.

Mein frühes „Losfahren“ erlaubte es mir, in aller Ruhe, in einigen der schönsten Orte Besichti-gungsrunden zu drehen, auf die ich aber im Folgenden nicht eingehe. Diese „Rundfahrten“ (geschätzte 20 km) habe ich bewusst bei meiner km-Angabe und im anliegenden Track aus-geklammert, mein Radtachometer zeigte am Ende der Reise 482 km.

Mein Lieblingsspielzeug, der Garmin Radnavigator, leistete trotz der ausgezeichneten Markie-rung gute Dienste. Da ich die geplante Route als „Track“ in den Navigator kopierte, wusste ich immer wo ich war und wie weit es noch zu meinem festgelegten Ziel war. Bei den Ortsrundfahrten schaltete ich das Gerät aus. In einigen Fällen konnte ich Radlern aus der Patsche helfen, die mit ihren Landkarten überfordert waren. 

1.Tag, Die 24.6.2014, ab 7:30, Mondsee - Salzburg, Radstadt - Obertauern - Stadl (111 km)

Mit dem Rad bei strömenden Regen von Mondsee nach Salzburg Hbf (32 km). Mit dem Zug weiter bis Radstadt. Ab Radstadt (858 m) wurde es bei zunehmendem Regen ernst. Nach Radstadt wurde ein längerer Teil des Radweges mit Baumaschinen neu gestaltet. Nach kurzer Zeit war mein Rad und ich verschlammt. Ab Untertauern ging es auf der Straße steil aufwärts. Teilweise liefen auf und über die Straße kleine Bäche. Der Regensturm wusch mich schnell wieder sauber, aber an mir war nichts mehr trocken. Mit der 2. stärksten Motorleistung ging ich fast über meine Leistungsgrenze. Die Akku Kapazität war in Obertauern (1702 m) zu 80 % verbraucht. Jetzt ging es in rasender Fahrt (eingebremst bei max. 70 kmh) talabwärts. Das Problem war die Kälte und der peitschende Regen im Gesicht. Über Tweng, Mauterndorf, Tamsweg erreichte ich endlich das Murtal. Kurz davor traf ich 3 wartende Niederländer, weil ein „verrückter“ Bauer oberhalb der Straße sein Feld bei strömendem Ragen odelte. Die stinkende Brühe lief über die Straße. Es gab kein ausweichen und so fuhren wir schimpfend darüber hinweg. Vollgespritzt dufteten wir alle nach „Landluft“. Abgesehen von diesem Treffen gehörte mir der Radweg ganz alleine.

Nach 79 km erreichte ich mein Tagesziel, Stadl im Regen. Im Gasthof zeigte man für meine „Duftnote“ Verständnis. Zu allererst ging ich samt meiner Kleidung unter die Dusch, wusch meine gesamte Kleidung aufs sorgfältigste. Bei meinen Schuhen vergeblich, ein feiner Duft begleitete mich bis nach Hause.

2.Tag, Mit 25.6.2014, ab 7:00, Stadl - St. Lorenzen, (101 km, aufgelaufen 212 km)

Ideales Radlwetter, leicht bewölkt, aber ab ca. 9:00 blies ein kräftiger Gegenwind. Von nun an ging es ständig bergauf und bergab. Die Zahl der Radler nahm deutlich zu. Über Murau, Frauenburg, Judenburg, Spielberg, Knittelfeld ging es weiter durch diese blitz blanken, sauberen und attraktiven Orte. Mit dem Rad konnte ich sie natürlich viel besser besichtigen, als dies mit einem Auto möglich gewesen wäre.

Leider musste ich je einen Unfall mit einem Kind und einem Hund beobachten. In beiden Fällen hatte der / die RadfahrerIn keine Schuld. Kurz danach kamen mir am engen Radweg 4 Reiter/Pferde wild entgegen galoppiert (trotz Reitverbot). Meine Flucht in das steil abfallende Murtalufer war die einzige Rettung. In St. Lorenzen gab es Zimmerprobleme, aber zuletzt fand ich nach 101km ein komfortables Bett. Der Akku war noch mehr als halb voll und wurde be-wusst nicht aufgeladen. 

3.Tag, Don 26.6.2014, ab7:00, St. Lorenzen - Graz - Kalsdorf (127 km, aufgelaufen 339 km)

Nach einem heftigen Gewitter in der Nacht ging es weiter mit dem Rad, auf und ab. Über St. Michael, Leoben, Bruck an der Mur und Graz lief mein Rad flott weiter, ab Graz fast nur mehr eben. Unglaublich wie viele schöne, reich gestaltete Kirchen es gibt. Es gab nun viele Gele-genheiten, während der Fahrt mit anderen Radlern zu tratschen. In Kalsdorf fand ich müder Radler endlich ein Hotel. Mein Akku zeigte nach 228 km immer noch 40 % der Akkuladung !!! wurde aber trotzdem aufgeladen.

Das erste steirische Backhendl wurde verschlungen und mit köstlichem und reichlichem steirischen Weißwein versenkt.

4. Tag, 27.6.2014, ab 8:00, Kalsdorf - Bad Radkersburg (79 km, aufgelaufen 418 km)

Durch schattige Radwege, überwiegend eben, entlang der Mur, über St. Margarethen, Ehren-hausen und Mureck, legte ich eine „Genuss Radl Fahrt“ nach Bad Radkersburg ein, natürlich ohne Motornutzung. In den vielen ländlichen Orten fiel die völlig geänderte Architektur auf. Die meisten Häuser sind länglich und niedriger gestaltet. Die Landschaft wirkt fast ein bisschen ungarisch.

In der ländlichen Stille, begleitet von der mittlerweile träge fließenden Mur, flossen meine ebenso träge fließenden Gedanken – ja wohin? – und völlig überraschend tauchte die Radkersburg aus der Ebene auf. Das Ziel war erreicht. Zum Abschluss wollte ich es besonders komfortabel gestalten und hatte im Parkhotel reserviert, die Enttäuschung war groß, ein teures Einzelzimmer mit Blick nicht in den Park, sondern auf den Parkplatz und 2 alte Schuppen. Ich checkte sofort wieder aus und landete im Hotel „Toscania“ mit Schwimmbad, SPA und einem bezaubernden Park. Den Tag beschloss ich mit Schwimmen, Radkersburg erwandern und tratschen mit Menschen am Marktplatz.

5. Tag, 27.6.2014, ab 12:15, mit der Bahn Bad Radkersburg - Salzburg (2 mal umsteigen) Ankunft 17:44, Salzburg - Mondsee mit dem Rad (32 km + 20 km Radkersburg Rund-fahrt, aufgelaufen am Navigator 448 km, am Fahrradtacho 482 km)

Den Vormittag verbrachte ich mit Schwimmen, einer kleinen Radtour um Radkersburg (ca. 20 km), um mittags den Zug zu erreichen. Es war gut, dass ich ein Fahrradticket bereits in Sbg kaufte, denn es war ein ungeheurer Andrang von Radlern, die nach Graz wollten, um dann an der Mur zurück zu radeln, immerhin fast 100 km.

Mit dem Einlaufen des Zuges um 19:44 in Salzburg, setzte ein mächtiger Gewittersturm ein. Vom Bahnhof bis nach Mondsee – Regen, Sturm, Blitz und Donner - , so kam ich quietsch vergnügt, nass und gesund, um ca. 21:30 zu Hause an. Eine wunderschöne Fahrradtour endete wie sie begann, nass bis auf die Haut, aber glücklich.

Peter Wimmer